Beleidigungen: Stasi ja, Nazi nein

Kündigung Beleidigung Nazi
„Scheiß Stasi-Mentalität“ rechtfertigt noch keine Kündigung
„Auch Kränkungen wollen gelernt sein“, wusste Martin Walser, „je freundlicher, desto tiefer trifft’s“. Doch die Realität am Arbeitsplatz sieht anders aus. Wer sich falsch behandelt fühlt, lässt seiner Wut freien Lauf.

Da wird gehobelt und geholzt bis der Betriebsrat kommt. Und oft hilft auch keine Entschuldigung mehr am nächsten Tag. Besonders hoch ist die Schimpfwortdichte auf Firmenfeiern, wenn aus braven Aktenschiebern plötzlich brachialrhetorische Bürolöwen werden. Doch wer seinen Chef als Arschloch tituliert, muss mit sofortigem Rausschmiss rechnen. Auch der Vergleich des Betriebsalltags mit einem Konzentrationslager liefert wichtige Gründe für die fristlose Entlassung. Dagegen kann der Hinweis auf eine „Stasi-Mentalität“ folgenlos bleiben, wie jetzt das Landesarbeitsgericht Düsseldorf (LAG) feststellte. Stasi ja, Nazi nein – auf diesen Formelkompromiss in Sachen Chefbeleidigung darf man sich wohl in Zukunft einstellen.

Anlass für den Streit war eine Falschbuchung, die einen Arbeitnehmer auf die Palme brachte. Er fühlte sich zu Unrecht beschuldigt und quittierte den Rüffel gegenüber einer Arbeitskollegin mit dem Vergleich, im Betrieb herrsche eine „scheiß Stasi-Mentalität“. Ob mit Absicht gesagt oder nur so dahin – die beiden aus der ehemaligen DDR stammenden Chefs bezogen den Vorwurf auf sich und reagierten mit fristloser Kündigung.

Falsch, sagte das LAG. Die Äußerung sei zwar ehrverletzend und unverzeihlich, für eine fristlose Kündigung reiche sie jedoch nicht aus, da sie nicht eindeutig auf die Geschäftsleitung gemünzt sei. Zudem sei der Arbeitnehmer seit Jahren dafür bekannt, in kritischen Situationen die Beherrschung zu verlieren und mit cholerischen Ausbrüchen zu reagieren. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber problembelasteten Mitarbeitern rechtfertige allenfalls eine Abmahnung.