Digitale Krankmeldung kommt

Krankmeldung
Kranke Arbeitnehmer müssen zukünftig nicht mehr zur Post um ihren Krankenschein zu verschicken.

Nun ist es amtlich: Künftig müssen Arbeitnehmer ihre ärztliche Krankschreibung nicht mehr in Papierform an den Arbeitgeber und an die Krankenkasse schicken. Stattdessen wird die elektronische Krankschreibung eingeführt, so eine künftige Regelung im Bürokratieentlastungsgesetz. Der Arbeitgeber soll dann auf Abruf digital von der Krankenkasse über den Beginn der Arbeitsunfähigkeit informiert werden. Es bleibt allerdings noch gut ein Jahr bis die Regelung in Kraft tritt. Bis 2021 bleibt es für alle Beteiligten noch beim bisherigen bürokratischen Aufwand. Arbeitnehmer müssen sich weiterhin an die gesetzlichen, betrieblichen oder tariflichen Vorgaben halten, um unentschuldigte Fehltage zu vermeiden. 

Krankmeldung ab wann?

Laut § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz ist zunächst zu unterscheiden zwischen einer Krankmeldung und der Vorlage des “gelben Scheins”. Wer wegen einer Krankheit nicht bei der Arbeit erscheint, muss dies seinem Betrieb unverzüglich melden. Eine besondere Form der Krankmeldung gibt der Gesetzgeber aber nicht vor. Die Krankmeldung kann also telefonisch erfolgen, per E-Mail, SMS oder sogar per Whats-App. Ratsam ist es jedoch, einen Weg zu wählen, bei dem man im Streitfall nachweisen kann, dass der Arbeitgeber diese auch erhalten hat. Wenn man also beispielsweise eine E-Mail an das Personalbüro schreibt oder mit der zuständigen Person telefoniert, kann man um eine kurze schriftliche Bestätigung der Kenntnisnahme bitten. Wichtig ist, dass die Krankmeldung bereits die Angabe über die voraussichtliche Dauer des Fehlens enthalten muss. Wer morgens mit Halsschmerzen und leichtem Fieber aufwacht, weiß in der Regel noch nicht genau, ob ein Ruhetag den Ausbruch des Infekts verhindern kann. Für den Chef reicht dann die Mitteilung, dass man ggf. am nächsten Tag zum Arzt gehen wird, sollte keine Besserung eintreten. Die Zeitangabe “unverzüglich” ist übrigens so zu verstehen, dass der Mitarbeiter die Meldung nicht schuldhaft verzögern darf. Wer also beispielsweise einen Unfall hatte und im Krankenhaus behandelt werden muss, ist erst nach Abschluss der Erstversorgung in der Notaufnahme dazu verpflichtet, den Arbeitgeber zu kontaktieren. Ein ärztliches Attest muss aber am ersten Krankheitstag in der Regel noch nicht vorgelegt werden. Die Pflicht zur unverzüglichen Krankmeldung wird auch nach Inkraftreten der neuen gesetzlichen Regelung nicht entfallen.

Wann muss man zum Arzt?

Erst wenn die Krankheit länger als drei Kalendertage dauert, muss ein Attest an die Firma gehen. Ausnahme: Der Arbeitgeber fordert ausdrücklich dazu auf, sich schon vorher von einem Arzt untersuchen zu lassen. Die Rechtsgrundlage für eine solche Aufforderung findet sich ebenfalls in § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz. Entgegen einer früher vertretenen Auffassung muss der Arbeitgeber sich nicht für seine Aufforderung zur früheren Vorlage einer Krankschreibung rechtfertigen, so das Bundesarbeitsgericht. Die 3-Tagesfrist ist übrigens in der Regel auch eingehalten, wenn ein Wochenende zwischen der Krankschreibung liegt. Beispiel: Der Arbeitnehmer ist an einem Donnerstag erkrankt und ging davon aus, am Wochenende oder spätestens Montag wieder fit zu sein. Am Wochenende geht es ihm aber nicht besser und am Montagmorgen ist er beim Arzt und reicht seinen “gelben Schein” an den Arbeitgeber weiter. Der Arbeitnehmer ist seiner Meldepflicht nachgekommen, sofern der Regelfall vorliegt und das Personalbüro am Wochenende nicht besetzt war. 

Fristen gelten auch für Folgebescheinigungen

Die ärztliche Bescheinigung, die der Arbeitgeber erhält, weist allerdings keine näheren Details zur Art der Krankheit auf. Hierin steht nur objektiv, wie lange der Arbeitnehmer voraussichtlich fehlen wird. Den Krankenschein, der Angaben über die Diagnose enthält, sendet der Arbeitnehmer an seine Krankenkasse. Diese benötigt die Information, um beispielsweise im Fall einer wiederkehrenden Krankheit das Krankengeld zu berechnen. Dauert die Krankheit länger an, muss der Arbeitnehmer immer wieder zum Arzt, um sich Folgebescheinigungen ausstellen zu lassen. Diese dürfen keine Lücken aufweisen. Wichtig: Selbst wenn der Arbeitnehmer bereits aus der Entgeltfortzahlung raus ist und Krankengeld erhält muss er dennoch weiterhin die Folgebescheinigungen an seinen Arbeitgeber senden. Tut er dies nicht, ist dies ein Grund für eine Abmahnung oder sogar Kündigung. Der Streit um auf dem Postweg verlorengegangene “gelbe Zettel” wird nach Einführung der elektronischen Krankmeldung Geschichte sein.