Durchgestrichenes Testament noch wirksam?

Testament eigenhändig Streichung BGB
Ein Testament muss eigenhändig verfasst und mit Datum und Ort versehen werden.
„Meine Großtante hatte mich und meinen Bruder in einem handschriftlichen Testament als Erben eingesetzt. Meinen Bruder hat sie aber später gestrichen, weil er sie nie besucht hat. Leider hat sie kein neues Testament aufgesetzt. Ist das alte Testament trotz der Streichungen überhaupt noch gültig?“

Wenn der Inhalt des Testaments nicht eindeutig ist oder sogar die Vermutung nahe liegt, dass ein Dritter das Testament manipuliert hat, ist der Streit oft vorprogrammiert. Die Vorgaben, die ein wirksames eigenhändiges Testament erfüllen muss, ergeben sich aus § 2247 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Es muss komplett mit der Hand geschrieben und unterschrieben werden. Es soll auch mit Datum und Ort versehen werden. Damit soll im Fall mehrerer Testamente festgestellt werden können, ob die letztwillige Verfügung tatsächlich zuletzt errichtet wurde. Fehlen Ort und Datum, dann können diese Punkte allerdings im Zweifel auch noch auf anderem Wege festgestellt werden. Sie sind also für die Wirksamkeit nicht zwingend erforderlich.

Welche Folge haben Streichungen im Testament?

Was ist jedoch, wenn – wie in Ihrem Fall – das eigenhändige Testament Streichungen enthält? Grundsätzlich gilt in solchen Fällen die gesetzliche Vermutung, dass diese Streichungen vom Erblasser vorgenommen wurden und dass dieser den Willen hatte, die gestrichenen Passagen aufzuheben (§ 2255 BGB). Die gesetzliche Vermutung, dass die Streichungen vom Erblasser selbst vorgenommen wurden, kann natürlich auch widerlegt werden. Zu würdigen sind in solchen Fällen immer die Umstände. Derjenige, der sich darauf beruft, dass die Streichungen nicht durch den Erblasser erfolgt sind, muss dieses unter Beweis stellen. Wenn ein Dritter das Testament durch Streichungen manipuliert hat, so handelt es sich rechtlich gesehen um eine Urkundenfälschung.

Streichung führt nicht zwingend zum Widerruf des Testaments

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat kürzlich in einem Beschluss klargestellt, dass eine Streichung nicht zwangsläufig zum Widerruf des Testaments führen muss (Az. I-3 Wx 63/16). In dem entschiedenen Fall, hatte der Erblasser seine sämtlichen Verwandten, die als gesetzliche Erben in Betracht gekommen wären, enterbt. Als Erben setzte er zwei Ehepaare ein. Das private Testament wurde nach dem Tod des Erblassers von den Eheleuten zum Nachlassgericht gebracht. Die Erbeinsetzung der Eheleute war allerdings nachträglich in dem handschriftlichen Testament mit der Hand gestrichen worden. Ohne weitere Bemerkungen.

Es ließ sich in der Folge nicht klären, wer die Passage gestrichen hatte. Die Richter waren der Auffassung, dass die Streichungen keine Auswirkungen auf das Testament hatten. Denn es war nicht auszuschließen, dass Dritte die Manipulation vorgenommen hatten. Darüber hinaus bestanden in den Augen des Gerichts starke Zweifel am Aufhebungswillen des Erblassers. Denn die Enterbung der gesetzlichen Erben war nicht gestrichen. Hätte man die Streichungen berücksichtigt, wäre im Ergebnis der Fiskus Erbe geworden. Diesen Willen wollten die Richter nicht unterstellen. Womöglich wollte der Erblasser ein neues Testament errichten, hat aber – warum auch immer – abgewartet. Ein eindeutiger Aufhebungswille sei nicht erkennbar.

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