Gemeinsames Sorgerecht: Enttäuschung für Väter

Gemeinsames Sorgerecht Enttäuschung Väter
Gemeinsames Sorgerecht ist noch lange keine Selbstverständlichkeit

Zwar hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) die Rechte unverheirateter Väter gerade erst gestärkt, doch ein Urteil des Oberlandesgerichts Brandenburg zeigt, dass das gemeinsame Sorgerecht noch lange keine Selbstverständlichkeit für unsere Familiengerichte ist.

In dem nun entschiedenen Sorgerechtsstreit wollte der Vater in erster Linie die Übertragung der Alleinsorge auf sich selbst erwirken. Hilfsweise beantragte er das gemeinsame Sorgerecht für das Kind. Er berief sich unter anderem darauf, dass die Mutter wegen einer manischen Depression längere Krankenhausaufenthalte hinter sich habe. Um Umgangszeiten und Aufenthalt des Kindes war es darüber hinaus immer wieder zum Streit gekommen. Sowohl Vater als auch Mutter hatten vor Gericht angegeben, mit dem anderen nicht mehr kommunizieren zu können und zu wollen. Und genau dieser Punkt war für die Richter ausschlaggebend: Eine gemeinsame Sorge kann nur dann ausgeübt werden, wenn sich die Eltern über die entscheidenden Fragen verständigen können und wollen. Ist dies nicht möglich, kann die Alleinsorge nur von einem Elternteil ausgeübt werden. In diesem Fall entschied das Gericht, dass die Alleinsorge zum Wohle des Kindes bei der Mutter bleiben soll.

Sicherlich ist dieses Urteil für viele Väter erst einmal ernüchternd. Nicht zu vergessen ist aber, dass eine gemeinsame Sorge (übrigens auch bei ehemals verheirateten Eltern) immer praktikabel sein muss. In dem Einzelfall fanden die Richter offensichtlich keinen Anhaltspunkt für den Willen zur Ausübung der gemeinsamen Sorge. Für die Parteien stand jeweils die Alleinsorge klar im Vordergrund. Wer sich als Vater kommunikationsbereit zeigt, wird in Zukunft hoffentlich bessere Karten haben.