Ist eine Abmahnung wegen Unfreundlichkeit rechtens?

Abmahnung Unfreundlichkeit
Enthält eine Abmahnung falsche Tatsachen, ist sie zurückzunehmen

Freundlichkeit ist eine Tugend. Dies gilt nicht nur im direkten Umgang mit unseren Mitmenschen, sondern auch im Job. Gerade im geschäftlichen Bereich steht Freundlich- und Höflichkeit ganz oben auf der Liste der Selbstverständlichkeiten.

Leider wird man allerdings oft genug eines Besseren belehrt: Die unfreundliche Mitarbeiterin in der Bäckerei, die schnippische Dame an der Rezeption des Hausarztes und der unhöfliche Service-Mitarbeiter an der Hotline.

Natürlich begegnen uns nicht nur unfreundliche Menschen, aber gerade wenn uns als Kunden dann mal jemand vermeintlich schlecht behandelt, ärgern wir uns sehr! „Wie schön wäre es, wenn dein Chef wüsste, wie du mit mir umgehst!“, denkt man sich dann so einiges mal. Im Falle eines vor Gericht verhandelten Falles hatte es der Chef mitgekriegt und seinem Mitarbeiter dafür prompt eine Abmahnung verpasst. Doch ist dies rechtens? Darf der Arbeitgeber mit der Begründung „Unfreundlichkeit“ seinem Arbeitnehmer eine Abmahnung aussprechen? Dies hatte das Landesarbeitsgericht Kiel zu entscheiden. Und auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, bejahte das Gericht diese Frage.

Im zugrundeliegenden Fall hatte ein Lehrgangsberater einem potentiellen Teilnehmer per Mail recht rüde auf die Frage nach Einzelheiten geantwortet. Der Interessent bemängelte sogar die Antwort seines Ansprechpartners, doch wurde er daraufhin noch einmal recht unfreundlich angegangen. Dies war für den Arbeitgeber genug. Sein Angestellter erhielt eine Abmahnung wegen Unfreundlichkeit gegenüber Kunden. Der Arbeitnehmer verlangte von seinem Chef daraufhin die Entfernung des Vermerks aus seiner Personalakte. Doch das Gericht winkte ab: Abmahnungen müssen nur unter bestimmten Bedingungen entfernt werden. Diese sind beispielsweise erfüllt, wenn die Abmahnung falsche Tatsachen enthält.

Landesarbeitsgericht Kiel, 20.5.2014 (AZ. 2 Sa 17/14)