Durchgestrichenes Testament noch wirksam?

Testament eigenhändig Streichung BGB
Ein Testament muss eigenhändig verfasst und mit Datum und Ort versehen werden.
„Meine Großtante hatte mich und meinen Bruder in einem handschriftlichen Testament als Erben eingesetzt. Meinen Bruder hat sie aber später gestrichen, weil er sie nie besucht hat. Leider hat sie kein neues Testament aufgesetzt. Ist das alte Testament trotz der Streichungen überhaupt noch gültig?“

Wenn der Inhalt des Testaments nicht eindeutig ist oder sogar die Vermutung nahe liegt, dass ein Dritter das Testament manipuliert hat, ist der Streit oft vorprogrammiert. Die Vorgaben, die ein wirksames eigenhändiges Testament erfüllen muss, ergeben sich aus § 2247 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Es muss komplett mit der Hand geschrieben und unterschrieben werden. Es soll auch mit Datum und Ort versehen werden. Damit soll im Fall mehrerer Testamente festgestellt werden können, ob die letztwillige Verfügung tatsächlich zuletzt errichtet wurde. Fehlen Ort und Datum, dann können diese Punkte allerdings im Zweifel auch noch auf anderem Wege festgestellt werden. Sie sind also für die Wirksamkeit nicht zwingend erforderlich.

Faustschläge gegen eigene Eltern: Sohn enterben und Pflichtteil entziehen?

Misshandlung Eltern Erbe Pflichtteilentzug
Pflichtteilentzug: Bei körperlicher Misshandlung möglich

„Wir wollen unserem Sohn enterben und ihm den Pflichtteil entziehen, da er uns mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat. Darüber hinaus hat er uns bedroht und bestohlen. Es laufen zurzeit auch polizeiliche Ermittlungen gegen ihn. Ist ein Pflichtteilsentzug möglich?“

Einen gesetzlichen Erben kann man durch ein Testament ohne weitere Nennung von Gründen enterben. Bereits dadurch, dass man im Testament eine andere Person zum Erben bestimmt, ist der gesetzliche Erbe enterbt. Komplizierter ist der Entzug des Pflichtteilsanspruchs. Den Pflichtteilsanspruch kann man prinzipiell nur entziehen, wenn gewichtige Gründe für den Entzug sprechen. Diese sind im Gesetz abschließend in § 2333 BGB aufgeführt. Eine schwere Strafat, z. B. eine körperliche Misshandlung gegen den Erblasser wäre ein solcher Grund.

Gemeinschaftliches Testament ist mit dem Tod des Erstversterbenden bindend

Gemeinschaftliches Testament Tod Ehepartner Erstversterbender
Gemeinsames Testament kann nach Tod des Erstversterbenden nicht abgeändert werden

Im vorliegenden Fall haben die Eheleute im Jahr 2002 ein gemeinschaftliches Testament errichtet. Sie setzten sich gegenseitig als Alleinerben und ihre gemeinsamen Kinder als Schlusserben ein. Als die Ehefrau verstarb, errichtete der Ehemann im Jahr 2013 ein eigenhändiges Testament in dem seine Tochter, deren Sohn sowie der Sohn seines bereits verstorbenen Sohnes enterbt werden sollten. Nach seinem Tod beantragte die Tochter beim Nachlassgericht einen Erbschein, der sie als Alleinerbin nach ihrem Vater ausweisen sollte. Das Nachlassgericht weigerte sich unter Bezugnahme auf das neuere Testament des Erblassers den Erbschein auszustellen. Aus diesem Grunde gelangte der Sachverhalt vor das Kammergericht Berlin.

Testament muss lesbar sein

Testament muss lesbar sein
Eigenhändig erstellte Testamente müssen zwingend lesbar sein

Die Erblasserin verstarb im Jahre 2012. Mit ihrem bereits zuvor verstorbenen Mann hatte sie in einem Testament lediglich die Bestattung geregelt. Zur Erbfolge trafen die Eheleute keine Verfügung, weshalb die Tochter aufgrund gesetzlicher Erbfolge die alleinige Erbin wurde. Der Tochter wurde sodann durch das Nachlassgericht ein Erbschein ausgestellt. Eine weitere Beteiligte legte beim Nachlassgericht ein handschriftlich verfasstes Schreiben vor, welches die Erblasserin zwei Monate vor ihrem Tod verfasst haben soll. Danach sei die Pflegekraft, welche in beruflichem als auch in privatem Kontakt zu der Erblasserin stand, die alleinige Erbin. Das Nachlassgericht sah das Testament nicht als wirksam an. Gegen die Erteilung des Erbscheins an die Tochter legte die weitere Beteiligte sodann Beschwerde zum Oberlandesgericht ein.

Anspruch auf Erbausgleich für Pflegeleistungen?

Anspruch Erbausgleich Pflegeleistungen
Ausgleichsregelung gilt nur für Kinder, Enkel und Urenkel
Vom Pflegenotstand in Deutschland hören wir immer wieder in den Nachrichten. Mit der Erbrechtsreform hat der Gesetzgeber versucht, Abkömmlinge des Erblassers zur häuslichen Pflege zu motivieren und den Anspruch auf Erbausgleich für geleistete Pflege ausgeweitet. Doch nicht alle gesetzlichen Erben profitieren hiervon. Der Erbausgleich nach § 2057 a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) bewirkt, dass zunächst die Pflegeleistungen an den pflegenden Abkömmling vergütet werden. Erst nach Abzug wird der Nachlass entsprechend der Anteile aufgeteilt. Bisher wurde der erbrechtliche Ausgleichsanspruch nur dann zugebilligt, wenn der Erbe für die Pflege seinen eigenen Beruf aufgegeben und damit auf ein Einkommen verzichtet hatte.

Testament: Vorsicht vor unklaren Formulierungen

Testament klare Formulierung
Testament: Vorsicht vor unklaren Formulierungen
Beim Testament kommt es nicht nur auf die richtige Form an. Wichtig ist es vor allem, dass der Erblasser sich unmissverständlich ausdrückt. Wer Größenangaben nur vage beschreibt, den Kreis der Erben nicht genau definiert oder die Erbfolge zweideutig bestimmt, bewirkt häufig, dass um den Nachlass lange und erbittert gestritten wird. Gerichte müssen im Nachhinein mühsam rekonstruieren, was wohl der wirkliche Wille des Verstorbenen gewesen sein könnte. Dabei kommt es immer wieder zu überraschenden Urteilen.