Schadensersatz nach Begrüßung durch Hund

Tierhalterhaftung Schadensersatz Schmerzensgeld
Eine stürmische Begrüßung durch einen Hund, gefällt nicht jedem.

Hundehalter müssen dafür sorgen, dass durch ihr Tier weder Personen noch andere Tiere oder Sachgegenstände zu Schaden kommen. Die sogenannte Tierhalterhaftung ist ausdrücklich in § 833 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) geregelt. Was jedoch im Einzelfall im Verantwortungsbereich des Halters liegt, ist den meisten nicht bewusst.

Wenn ein Hund an einem Passanten hochspringt, dann wissen Hundehalter, dass es sich hierbei in der Regel um eine harmlose Begrüßung handelt. Doch ein durchschnittlicher Spaziergänger rechnet nicht unbedingt mit einer solchen Geste. Eine Spaziergängerin, die von einem Hund „liebevoll“ angesprungen wurde, erlitt durch ihre Schreckreaktion eine Schürfwunde und zog sich eine Gesichtsverletzung zu. Das OLG Hamm (Az. 9 U 91/14) verurteilte die Hundehalterin zu einem Schmerzensgeld. Wenn ein Hund dazu neigt, an fremden Personen hochzuspringen, muss der Hundehalter ihn im Zweifel mit einem Griff sichern.

Tierhalter haftet auch für mittelbaren Schaden

Ein frei laufender Hund, der bellend auf einen Spaziergänger zuläuft, sorgte auch in einem anderen Fall dafür, dass sein Frauchen haften musste (AG Frankfurt, Az. 32 C 2314/99-48). Das Gericht stellte klar: Die Haftung bezieht sich nicht nur auf den direkten Schaden, also beispielsweise Verletzungen durch einen Sturz, sondern auch auf mittelbare Schäden. So hatte der Fußgänger in dem entschiedenen Fall, die Sachen eines Dritten beschädigt, als er sich durch einen Sprung in Sicherheit bringen wollte. Der Tierhalter musste auch für die Beschädigungen dieser Sachen Schadensersatz leisten.

Schlafende Hunde sind gefährliche Hindernisse

Selbst für schlafende Hunde muss man haften! Eine Verkäuferin, deren Schäferhund sich im Eingangsbereich des Ladens schlafen gelegt hatte, musste zahlen, weil jemand über das Tier gestolpert war (OLG Hamm, Az. 19 U 96/12). Das Gericht war der Meinung, dass sich die typische Gefahr durch ein Tier verwirklicht habe. Der Hund habe sich unberechenbar verhalten, als er sich hinter die Kundin legte, die ihn beim Verlassen des Geschäfts übersah. Ein Mitverschulden der Kundin konnten die Richter nicht erkennen. Das Tier habe sich regungslos verhalten und damit ein gefährliches Hindernis gebildet. Das Argument der Verkäuferin, die Kundin sei unachtsam und damit mitschuldig gewesen, ließ das Gericht nicht gelten. Satte 15.000 Euro Schmerzensgeld erhielt die Kundin, die sich am Knie verletzt hatte.

Rund 7.000 Euro musste eine Ladenbesitzerin bezahlen, weil ihr Hund eine Kundin begrüßen wollte. Denn die Kundin interpretierte das Verhalten des Dalmatiniers als Bedrohung und stolperte. Ein vierfacher Bruch des Oberarms sowie eine komplizierte Nachbehandlung waren die Folgen. Als es zur Verhandlung über Schmerzensgeld kam, konnte die Hundehalterin die panikartige Reaktion der Kundin nicht nachvollziehen. Eine andere Kundin, die als Zeugin geladen war, attestierte dem Hund jedoch auffälliges Verhalten. Für das OLG Bamberg reichte diese Aussage, um ein Verschulden festzustellen. Sowohl durch Einsatz seines Körpers als auch durch das Hervorrufen von Angst bei der Klägerin habe der Hund den Sturz und die dadurch erlittenen Brüche verursacht (Az. 6 U 65/12).

Kein Schadensersatz und Schmerzensgeld bei überzogenen Reaktionen

Es gibt jedoch Grenzen der Tierhalterhaftung: Für ungewöhnliche Schreckreaktionen muss man nicht aufkommen. So versagte das Landgericht Ansbach einer Frau das Schmerzensgeld, die schwer gestürzt war, weil ein Hund hinter einem sicheren Gartenzaun bellte. Für die Richter war die Verletzung aufgrund eines “unvorhersehbaren Geschehensablaufs” erfolgt. Hiermit müsse ein Hundehalter nicht rechnen (Az. 1 S 98/92). Ähnlich beurteilte das Landgericht Coburg einen Fall, in dem ein Schüler vom Rad fiel, nachdem ein Hund ihn angebellt hatte. Das Tier war nämlich erkennbar vom Besitzer festgehalten worden (Az. 32 S 47/13). Entscheidend bei der Beurteilung des Ablaufs ist immer, ob der Geschädigte das Tier schon frühzeitig erkennen konnte. Ist dies der Fall, muss ein durchschnittlicher Bürger damit rechnen, dass ein Hund auch einmal anfängt zu bellen.

Auch Tiere haben Anspruch auf Ersatz der Heilungskosten

Wichtig: Wenn Ihr Hund keinen Menschen, sondern ein anderes Tier verletzt, müssen Sie dessen Heilungskosten in der Regel voll ersetzen. Selbst wenn diese die Anschaffungskosten stark überschreiten (Paragraph 251 Abs. 2 Satz 2 BGB). Einen Anspruch auf Schmerzensgeld für das  schockierte Herrchen gibt es allerdings nicht (AG Frankfurt am Main, AZ. 29 C 2234/99-69).



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