Schenkungen an Kinder – was gilt es zu beachten?

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Bei Immobilien müssen die Details in einer notariell beglaubigten Schenkungsurkunde geregelt werden.
Der Generationenwechsel bringt einen Anstieg der geerbten und geschenkten Vermögen mit sich. Gerade die sogenannte Babyboomer-Generation profitiert von dieser Entwicklung: laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2016 hierzulande rund 109 Milliarden Euro vererbt oder geschenkt, bis 2020 werden es geschätzte 330 Milliarden sein, davon der Großteil an Immobilien. Eine Schenkung zu Lebzeiten ist in vielerlei Hinsicht sinnvoll. Neben deutlichen Steuervorteilen einer Schenkung können auch Erbstreitigkeiten umgangen werden, die nach der Testamentseröffnung oft Gegenstand von Gerichtsprozessen sind.

Wenn Eltern ihren Kindern Vermögenswerte wie Immobilien schon zu Lebzeiten übereignen möchten, müssen die Details einer Schenkung in einer notariell beglaubigten Schenkungsurkunde vertraglich geregelt werden. Bei Immobilien muss ebenfalls eine Eintragung im Grundbuch erfolgen. Auch die Schenkung größerer Geldbeträge als Altersvorsorge oder die Firmennachfolge müssen juristisch abgesichert werden, um wirksam zu sein. Ein Blick in das Erbschaftssteuergesetz (ErbStG) lohnt sich, da dieses auch die Bestimmungen des Schenkungssteuergesetzes regelt: so werden in §§ 7,8 des ErbStG alle steuerpflichtigen Vorgänge einer Schenkung detailliert bestimmt und gesetzlich geregelt.

Berechnung von Steuerpflicht und Freibeträgen

Schenkungen müssen beim Finanzamt angegeben werden. Die Steuerpflicht errechnet sich aus dem Verwandtschaftsgrad zwischen Schenkendem und Begünstigtem sowie dem Wert der Schenkung. Kinder, Stiefkinder und Adoptivkinder werden hier der Steuerklasse I zugeordnet, die mit einem Freibetrag von 400.000 Euro pro Kind als die günstigste gilt. Nach Abzug der Freibeträge bemisst sich die Höhe der Schenkungssteuer dann nach festgelegten Steuersätzen, die in § 10 ErbStG geregelt sind. Im günstigsten Fall bleibt die Schenkung sogar steuerfrei: wenn beispielsweise eine Immobilie im Wert von 180.000 Euro an die Kinder zu Lebzeiten verschenkt wird, so fallen keine Schenkungssteuern an, da der Vermögenswert unterhalb des Freibetrags von 400.000 Euro liegt. Im Unterschied zur Erbschaft können steuerliche Freibeträge bei einer Schenkung alle 10 Jahre genutzt werden. Die 10-Jahresfrist bietet hier also eine legale Möglichkeit zur Reduzierung der Steuerlast, die bei einer rechtzeitigen Schenkung zu Lebzeiten sogar mehrfach genutzt werden kann!

Vorbehaltsrechte – auf diese Vertragsklauseln kommt es an!

Wer über eine Nachlassvorsorge zu Lebzeiten nachdenkt, findet die juristischen Rahmenbedingungen zum Erbrecht im Fünften Buch des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) aufgeführt. Ein vorausschauendes Handeln bei der Übertragung von Vermögenswerten an die Kinder hilft nicht nur späterem Ärger vorbeugen, sondern ermöglicht vor allem steuerliche Vorteile. Wird eine Immobilie an die Kinder durch Schenkung übertragen, bietet das Gesetz dem Schenkenden überdies zahlreiche Vorbehaltsrechte. Will der Schenkende einen Teil des Hauses weiterbewohnen, so wird das beschränkte Nutzungsrecht im Schenkungsvertrag geregelt. Bei einer Immobilie, die nach wie vor selbst bewohnt wird, findet das sogenannte Nießbrauchrecht Anwendung. Dies garantiert ein lebenslanges Wohnrecht des Schenkers.

Volker Hütte

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