Sterbezimmer für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer loswerden Schikane Kündigung
Vollverglaster „Arbeitsplatz“ – nicht fair, aber wirksam
Da hat man es endlich geschafft, einen falschen Fuffziger mit chronischem Rückenleiden und ebenso chronischer Arbeitsinsuffizienz per fristgerechter Kündigung loszuwerden und dann klagt sich der Mann im Rahmen des Kündigungsschutzes wieder zurück. Was tun?

Drei Versuche, einen Arbeitnehmer loszuwerden:

1. Die Einrichtung eines „Sterbezimmers“, vollverglast, aber ohne Telefon und Computer. Wer hier unter den Augen der Kollegen seine Arbeitskraft weiter in den Dienst der Firma stellt, ist entweder ein eiskalter Zombie oder meist schon nach wenigen Wochen mürbe und bettelt um einen Aufhebungsvertrag. Nicht fair, aber wirksam.

2. Beförderung auf einen extrem arbeitsintensiven, aber letztendlich überflüssigen Posten ohne die dazu gehörende Gehaltsanpassung. Mit einem Wort: Schulterklappen ja, aber zusätzlichen Sold gibt’s keinen. Und die Luft ist bleihaltig. Das fördert zwar das Selbstbewußtsein, aber auch den Frust, nicht angemessen bezahlt zu werden. Solche Leute kündigen oft von alleine. Fair, aber keine 100%ige Lösung.

3. Die berühmte Änderungskündigung. Es bieten sich an: die Übernahme des Vertriebsbüros in Ulan Bator (Äußere Mongolei), der Platz neben Kirsten Quallig aus der Revision (die mit dem strengen Eau de Cologne), die Streichung diverser Vergünstigungen (Kantinen-Rabatt auf das Jägerschnitzel mit panierter Jagdwurst). Vorteil: Beachtet der Arbeitnehmer nicht die Fristen zur Stellungnahme, kann ihm bei entsprechender Klausel das Arbeitsverhältnis ganz aufgekündigt werden. Unfair, aber juristisch einwandfrei.

Das Bundesarbeitsgerichts (BAG) in Erfurt erkannte die Kündigung eines Elektrikers als rechtens an und legte gleichzeitig eine Frist für die Stellungnahme zur Änderungskündigung fest: drei Wochen, die gleichzeitig als Mindestfrist anzusehen seien. Der Elektriker hatte Anfang August 2004 von seinem Arbeitgeber eine Änderungskündigung erhalten. Sein neuer Vertrag sah die Streichung einer früher vereinbarten Entfernungszulage vor. Im Falle der Ablehnung sollte das Arbeitsverhältnis enden. Der Elektriker akzeptierte die Änderungskündigung. Allerdings erst nach rund sechs Wochen – zu spät nach Ansicht seines Arbeitgebers, der an der Auflösung des Arbeitsverhältnisses festhielt. Das Bundesarbeitsgericht gab ihm Recht.