Steuer 2018: Zwei Monate mehr Zeit bei Beratung

Abgabefrist einkommenssteuererklärung
Ab 2019 bekommen Steuerpflichtige mehr Zeit für Ihre Steuererklärung.

Sie wollten Ihre Steuererklärung 2018 selbst erstellen, haben aber die Frist zum 31. Juli verpasst? Dann können Sie den pauschalen Verspätungszuschlag von mindestens 25 Euro pro angefangenem Monat umgehen, wenn Sie sich noch professionelle Unterstützung suchen. Der Abgabetermin für Steuerpflichtige, die sich steuerlich beraten lassen, fällt auf den 28.02.2020. Früher musste die Erklärung spätestens zum Jahresende beim Finanzamt sein. Die Gesetzesänderung bedeutet für Sie zwei Monate mehr Zeit. 

Wer ist zur Abgabe einer Einkommenssteuererklärung verpflichtet?

Grundsätzlich muss eine Steuererklärung nicht von jedem Steuerzahler abgegeben werden. Bei einigen erfolgt die Abgabe auf freiwilliger Basis. Es gibt in der Regel fünf Gruppen von abgabepflichtigen Personen:

1) Jeder, der von einem Freibetrag profitiert, durch den die monatlich fällige Lohnsteuer gesenkt wird, muss nach Ablauf des Steuerjahres eine Steuererklärung abgeben. Wenn Sie also in der Vergangenheit ein Formular zum Antrag auf Lohnsteuerermäßigung abgegeben haben, dann besteht in der Regel die Pflicht die Einkommenssteuererklärung zu erstellen. Mögliche Gründe für eine Lohnsteuerermäßigung sind beispielsweise Sonderausgaben für Kinderbetreuung oder Schulgeld, außergewöhnliche Belastungen wie Krankheitskosten oder auch Werbungskosten, wie die Entfernungspauschale. Übrigens: Den individuellen Freibetrag können Sie auch online beantragen. Sie können die Formulare aber auch herunterladen und am Computer ausfüllen. Die ausgedruckten Steueranträge können Se dann direkt beim Finanzamt abgeben. Falls Sie das den Freibetrag das erste Mal beantragen wollen, müssen Sie Belege hinzufügen, aus denen sich ergibt, dass Sie mit den jeweiligen Ausgaben über der Freigrenze liegen. Sobald der Freibetrag Ihren Lohnsteuermerkmalen per ELSTAM zugefügt wurde, sind Sie zur Abgabe der Lohnsteuererklärung für das betreffende Jahr verpflichtet. Eine Ausnahme gilt allerdings für Steuerpflichtige, die einen Behinderten- oder Hinterbliebenenpauschalbetrag eingetragen haben.

2) Eine weitere große Gruppe sind Eheleute, die aufgrund des unterschiedlich hohen Einkommens die Steuerklassenkombination III und V gewählt haben oder auch IV mit Faktor. Auch Ehepaare bei denen einer mit Steuerklasse VI arbeitet, fallen unter diese Gruppe. Erst nach Abgabe der Einkommenssteuererklärung können Sie von den Steuervorteilen profitieren.

3) Wer im Steuerjahr Arbeitslosen-, Kranken- oder Elterngeld oder auch Kurzarbeitergeld neben dem normalen Gehalt erhalten hat, sogenannte Lohnersatzleistungen muss ebenfalls die Abgabepflicht prüfen. Jedenfalls dann, wenn diese Gelder die Grenze von 410 Euro überstiegen haben. Zwar sind die Lohnersatzleistungen ansich steuerfrei, es gilt aber der Progressionsvorbehalt, der im Einzelfall zu einer Nachzahlungspflicht führen kann.

4) Arbeitnehmer, die neben ihrem Gehalt noch weitere Einkünfte hatten, wie beispielsweise aus der Vermietung einer kleinen Wohnung oder einem Online-Shop müssen ihre Steuerklärung immer abgeben, wenn die Nebeneinkünfte höher als 410 Euro lagen.

5) Zuletzt natürlich die Gruppe der Selbstständigen, die ebenfalls jährlich die Steuerformulare ausfüllen muss.

Die Steuerpflicht für Rentner richtet sich nach der Höhe ihrer Einkünfte in Verbindung mit dem Renteneintritt. Hier sollten Sie sich über Ihre individuelle Freibetragsgrenze informieren.

Übrigens: Selbst wenn keiner der aufgezählten Fälle vorliegt kann das Finanzamt Sie zur Abgabe auffordern. Dieser Aufforderung ist dann nachzukommen.

Auch wenn das Wort Einkommenssteuererklärung in Verbindung mit dem Begriff der Abgabefrist für die meisten Bürger einen bedrohlichen Klang hat: In sehr vielen Fällen lohnt sich die Abgabe der Steuerklärung. Sofern sich die Lebenssituation einfach gestaltet, kann sich jeder die per Download Formulare aus dem Internet herunterladen und diese selber ausfüllen. Bequemer ist die Nutzung einer Steuersoftware, die den Vorteil bietet, dass die einzelnen Felder direkt bei der Eintragung in die Vorlage erläutert werden und die Daten jährlich übernommen werden können. Ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein sollte in der Regel aufgesucht werden, wenn im Steuerjahr außergewöhnliche Ereignisse stattgefunden haben, wie etwa ein Hausbau oder eine Erbschaft.

Wer nicht abgabepflichtig ist, kann natürlich dennoch seine Steuerklärung beim Finanzamt abgeben, hat aber in der Regel vier Jahre Zeit. Früher sprach man von einem Lohnsteuerjahresausgleich. Heute spricht man von einer Antragsveranlagung.

Gilt für alle Abgabepflichtigen dieselbe Frist?

Die Frist von sieben Monate nach Ablauf des Steuerjahres gilt nur dann, wenn Sie keinen Berater zur Erstellung der Steuererklärung hinzuziehen. Es bleibt also weiterhin dabei, dass Steuererklärungen, die mithilfe eines Steuerberaters oder einem Lohnsteuerverein erstellt wurden, einen längeren Aufschub erhalten. Für diejenigen, die sich professionelle Unterstützung suchen, verlängert sich die Abgabefrist um weitere sieben Monate. Stichtag wäre also der 28.02. des Folgejahres.

Welche Strafen drohen bei verspäteter Abgabe?

Die Fristverlängerung bringt eine wenig erfreuliche Änderung mit sich.  Verspätungszuschläge, bei denen bisher das Finanzamt einen Ermessensspielraum hatte, werden nun pauschal geltend gemacht. Der einzelne Sachbearbeiter beim Finanzamt hat also keine Möglichkeit mehr, die Umstände zu berücksichtigen, die zu der verspäteten Abgabe der Steuerklärung geführt haben. Der Vorteil für den Fiskus: Langwierige Bearbeitungszeiten entfallen, da dem Bürger die Geldstrafe ohne nähere Prüfung auferlegt werden kann und muss. Die Höhe des Zuschlages beträgt immer mindestens 25 Euro und höchstens 25 Prozent der festgesetzten Steuer. Und das pro angefangenem Monat. Ausnahmen wird es künftig nur in den Fällen geben können, in denen der Bürger eine Erstattung erhält oder die Steuer auf Null festgesetzt wird. Je nach Dauer der Verspätung können zusätzlich zur pauschalen Geldstrafe noch Zwangsgelder auferlegt werden und Verspätungszinsen geltend gemacht werden. Wer seine Steuererklärung nicht fristgemäß abgibt muss außerdem nach wie vor mit einer Steuerschätzung rechnen.

Tipp: Stellen Sie beim nächsten Mal rechtzeitig einen Antrag auf Verlängerung der Abgabefrist. Als Grund für die Verlängerung gilt beispielsweise eine längere Krankheit oder ein Auslandsaufenthalt. Falls Sie wichtige Unterlagen zur Steuererklärung selbst noch nicht vorliegen haben, kann dies ebenfalls zur Begründung einer Fristverlängerung angesehen werden. Wenn Sie eine Vorlage für den Antrag auf Fristverlängerung zur Abgabe der Einkommenssteuererklärung nutzen, stellen Sie sicher, dass die Formalien eingehalten sind. Sicherheitshalber sollte der Antrag per Einschreiben rausgehen und zwar so rechtzeitig, dass er noch innerhalb der Abgabefrist beim Finanzamt eingeht. Sollten Sie keine Rückmeldung vom Finanzamt erhalten, empfehlen wir, telefonisch nachzufragen, ob der Sachbearbeiter noch weitere Informationen oder Belege benötigt.