Testament: Vorsicht vor unklaren Formulierungen

Testament klare Formulierung
Testament: Vorsicht vor unklaren Formulierungen
Beim Testament kommt es nicht nur auf die richtige Form an. Wichtig ist es vor allem, dass der Erblasser sich unmissverständlich ausdrückt. Wer Größenangaben nur vage beschreibt, den Kreis der Erben nicht genau definiert oder die Erbfolge zweideutig bestimmt, bewirkt häufig, dass um den Nachlass lange und erbittert gestritten wird. Gerichte müssen im Nachhinein mühsam rekonstruieren, was wohl der wirkliche Wille des Verstorbenen gewesen sein könnte. Dabei kommt es immer wieder zu überraschenden Urteilen.

Dass der „größte Teil“ für deutsche Richter schnell einmal nur die Hälfte des Gesamtnachlasses sein kann, musste ein Erbe aus dem Münchener Raum feststellen. Seine verstorbene Schwester hatte sich in ihrem Testament leider etwas unklar ausgedrückt und formuliert: „Mein Bruder Hans soll den größten Teil meines Geldes haben …“ Wieviel der insgesamt 70.000 Euro er genau bekommen sollte, erwähnte sie nicht. Auch die weitere Aufteilung ihres Vermögens hatte die Schwester nicht bestimmt.

Die Richter hatten somit die undankbare Aufgabe den letzten Willen der Frau zu interpretieren (Az. 16 T 9691/97). Neben dem ausdrücklich erwähnten Bruder Hans gab es mehrere gesetzliche Erben. Die Richter des Landgerichts München kamen darauf, dass die Erblasserin selbstverständlich genau die Hälfte des gesamten Geldes gemeint haben müsse. Alles andere wäre in den Augen des Gerichts „willkürlich“ gewesen. Die restliche Hälfte wurde unter den verbliebenen Erben aufgeteilt. Was wohl ein Mathematiker zu der Logik dieser Rechnung sagen würde?