Tierarzt haftet für Fehler bei Ankaufsuntersuchung

Tierarzt Haftung Fehler Ankaufsuntersuchung
Ob Hund Katze oder Pferd, Tierarzt haftet für Fehler bei Ankaufsuntersuchung

Ein Tierarzt hatte bei einer Ankaufsuntersuchung einen Fehler begangen und die falsche Angabe zum Alter des Tieres nicht bemerkt bzw. nicht beanstandet. Die Käuferin klagte nun auf Schadensersatz, da sie das Tier nicht wie gewünscht nutzen konnte. Das Oberlandesgericht gab ihr recht.

Ob ein Tierarzt für Fehler bei einer Untersuchung haftet, war bislang strittig. Nun bestätigte das Oberlandesgericht Hamm in seinem Urteil vom 05.09.2013, dass ein Schadensersatz gegenüber einem Arzt bestehen kann, wenn sich dessen Fehler nachteilig auswirkt, wie im vorliegenden Fall (Az: 21 U 143/12). Die Klägerin hatte eine Schimmelstute erworben, die laut Kaufvertrag vier Jahre alt sein sollte. Dieses Alter stimmte mit dem auf dem Pferdepass angegebenen Geburtsdatum überein. Das Tier wurde für den Preis von 2.700 Euro als Reitpferd erworben. Bedingung für das wirksame Zustandekommen des Kaufvertrags war die erfolgreiche Durchführung einer Ankaufsuntersuchung durch beklagte Tierarztpraxis.

Der Tierarzt führte die Untersuchung auf Grundlage der Vertragsbedingungen durch, nach welcher die Käuferin keine Ansprüche gegenüber der Praxis habe. Auf dem erstellten Protokoll zur Untersuchung wurde nicht vermerkt, dass das Pferd noch ein vollständiges Milchgebiss hatte und damit noch keine vier Jahre alt sein konnte.

Als die Käuferin erfuhr, dass das Tier entgegen der Angaben im Kaufvertrag Pferd erst zweieinhalb statt vier Jahre alt war, forderte sie von der Tierarztpraxis Schadensersatz. Diese Forderung begründete sie mit den Kosten, die ihr bis zur Erreichung des viertes Lebensjahres des Tieres entstehen. Zuvor habe das Pferd ihren Angaben zufolge einen Minderwert, da es nicht als Reitpferd einsetzbar war, wie von ihr gedacht. Hätte sie das tatsächliche Alter des Pferdes gekannt, hätte sie vom Kauf abgesehen.

Im Berufungsverfahren gab das Oberlandesgericht der Klägerin recht und sprach ihr 4.500 Euro Schadensersatz zu. Die Haftung für Fehler bei der tierärztlichen Ankaufsuntersuchung kann nicht vertraglich ausgeschlossen werden. Die entsprechende Klausel war im vorliegenden Fall unwirksam, denn eine tierärztliche Ankaufsuntersuchung besitzt eine besondere Schutzwirkung für die Interessen des Käufers. Diesem muss daher ein Haftungsanspruch gewährt werden.

Oberlandesgericht Hamm, 05.09.2013 (AZ: 21 U 143/12)