Trocknungsgeräte rechtfertigen Mietminderung von 100 Prozent

Trocknungsgeräte Mietminderung 100 Prozent
Trocknungsgeräte können sehr laut werden

Schimmelbildung und Feuchtigkeit in der Wohnung sorgen immer wieder für Rechtsstreitigkeiten zwischen den Mietparteien. In einem aktuellen Urteil wurde nun entschieden, dass der Einsatz von Trocknungsgeräten in der feuchten Mietwohnung zu einer Mietminderung von 100 Prozent berechtigt.

Über die Frage, wie hoch eine Mietminderung im Einzelfall sein darf, gibt es immer wieder gerichtliche Auseinandersetzungen. Inzwischen existieren zahlreiche Urteile, die als Richtlinie dienen, und die eine Einschätzung der Nutzungseinschränkung erlauben. Grundsätzlich gilt, dass die Miete entsprechend der Einschränkung in der Nutzung der Wohnung gemindert werden darf. Wenn eine Wohnung aufgrund eines Heizungsausfalls in den Wintermonaten nicht mehr bewohnbar ist, hat der Mieter unter Umständen einen Anspruch auf 100-prozentige Mietkostenminderung, wie ein einschlägiges Urteil aus dem Jahr 1975 deutlich machte (Az: 7 O 80/75). Auch ein Komplettausfall der Elektrik führt zu einem Mietminderungsanspruch von 100 Prozent (Az: 15 C 23/87).

50 Prozent Mietminderung stehen Mietern zu, bei denen die Toilette unbenutzbar ist (Az: 559 C 3475/08). Zudem konnte die in diesem Fall betroffene 80-Jährige Mieterin Schmerzensgeld geltend machen, da die Unbenutzbarkeit der Toilette zu erheblichen psychischen Problemen und Schlaflosigkeit geführt hat.
Im aktuellen Fall war dem Mieter eine Mietminderung von 100 Prozent bestätigt worden, da Trocknungsgeräte in der Wohnung einen Lärmpegel von 50 dB (A) verursachten. Zuvor war es in der Mietwohnung zu Schimmelbildung im Badezimmer gekommen. Aufgrund der Feuchtigkeit in der Wohnung war auch das Laminat aufgequollen und gebrochen. Ursache der Feuchtigkeit war ein undichtes Wasserrohr. Der entstandene Schaden konnte nur durch den Einsatz von Trocknungsgeräten beseitigt werden. Diese verursachten jedoch einen erheblichen Lärm, woraufhin der Mieter die Miete minderte. Der Vermieter erkannte das Mietminderungsgesuch nicht an und verlangte die ausstehende Miete.

Das Amtsgericht Schöneberg gab dem Mieter Recht (Az: 109 C 256/07). Zum einen bestand ein Mietminderungsanspruch in Höhe von 33 Prozent aufgrund der Feuchtigkeitsschäden. Zudem habe der Einsatz der Trocknungsgeräte dazu geführt, dass die Wohnung nicht mehr nutzbar war. Die einschlägigen Lärmgrenzen innerhalb von Gebäuden betragen tagsüber 35 dB (A) und nachts 25 dB (A). Diese Werte wurden dauerhaft überschritten und somit war ein Verbleib in der Wohnung unzumutbar. Weiterhin kann der Mieter die entstandenen Stromkosten, die durch die Trocknungsgeräte entstanden seien, geltend machen.