Wie man seinen Nachbarn in den Wahnsinn treibt – Warenbestellung im fremden Namen

Nachbarn Wahnsinn Warenbestellung im fremden Namen
Wer böswillig im fremden Namen bestellt, handelt in betrügerischer Bereicherungsabsicht
Der Zustand des Wahnsinns wurde wohl durch die Handlung des böswilligen Nachbarn nicht erreicht, dennoch wurde der Nachbar wegen fahrlässiger Körperverletzung und Betruges vom Landgericht Kiel (Az: V Ns 18/06) verurteilt.

Geschehen war Folgendes: Zwischen zwei Nachbarn herrschte ein recht unfreundliches Verhältnis. Der Eine fühlte sich durch die negativen Äußerungen des Anderen zu seinem Verhalten belästigt. Um dem Nachbarn zu demonstrieren, was eine Belästigung tatsächlich ist, bestellte der böswillige Nachbar bei 35 Unternehmen Waren im Namen seines Nachbarn.

Als Liefer- und Rechnungsadresse gab er auch die Anschrift desselben an. Der Nachbar erhielt daraufhin wiederholt Lieferungen von örtlichen Apotheken, Pizzadiensten, Getränkemärkten u.ä.. Mehrmals sollte Heizöl geliefert werden, eine Lkw-Ladung Kies wurde angeliefert und auf dem Grundstück abgekippt, Mitarbeiter des Recyclinghofs wollten seine Couch zur Entsorgung abholen und am frühen Abend klingelte der Sanitär-Notdienst wegen einer angeblich verstopften Toilette. Das Opfer konnte nur mit Mühe und Not den Schaden eindämmen und durch viel Überzeugungsarbeit die Unternehmen von der Nichtbestellung überzeugen. All das führte dazu, dass das Opfer unter Unruhezuständen, Schlafstörungen und Nervosität litt, die am Ende mit Psychopharmaka behandelt werden mussten. Das Landgericht Kiel verurteilte den Nachbarn daraufhin wegen Betrugs und fahrlässiger Körperverletzung. Wer zwecks Belästigung anderer unter deren Namen Warenlieferungen oder Dienstleistungen in Auftrag gibt, handelt im Hinblick auf die Arbeitsleistung der getäuschten Unternehmen – Zustellung der Waren, Angebot der Dienstleistung vor Ort – in betrügerischer Bereicherungsabsicht, so der Leitsatz der Entscheidung.