Zinsen für ein Privatdarlehen: Hört bei Geld die Freundschaft auf?

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Auch unter Freunden sollte ein privater Darlehensvertrag aufgesetzt werden.

Nein, sagen 52 Prozent der Deutschen laut einer Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts YouGov. Eine knappe Mehrheit hält es hierzulande für unbedenklich, sich von Verwandten oder Freunden per Privatdarlehen Geld zu leihen.

Ein Privatkredit ist ein Kredit einer Privatperson und nicht eines gewerblichen Kreditgebers, etwa eines Bankinstituts. Für den Schuldner ist ein Privatdarlehen aus dem Familien- oder Freundeskreis ideal. Die lästige Bonitätsprüfung fällt aus, die Geldsumme fließt in der Regel schnell und unkompliziert und Zinsen sind zumeist niedrig oder werden günstigstenfalls gar nicht erhoben. Der Gläubiger hingegen geht ein gewisses Risiko ein: Was geschieht, wenn der Schuldner gemäß Vereinbarung nicht zurückzahlen kann oder will?

Ein Privatkredit-Vertrag ist auch unter Freunden und Verwandten sinnvoll

Um persönliche Enttäuschungen oder womöglich einen Rechtsstreit zu vermeiden, sollte deshalb auch unter Freunden einen privater Darlehensvertrag aufgesetzt werden. Zwar ist auch eine mündliche Absprache rechtswirksam, doch allein schon aus Gründen der Beweiskraft ist die Schriftform empfehlenswert. In einem Privatkredit-Vertrag sollte zumindest enthalten sein:
Name und Anschrift des Kreditgebers und des Kreditnehmers, Kreditbetrag, Kreditzins (falls vereinbart), Tilgung (etwa per Monatsraten), Fälligkeit, Zugriff auf Sicherheiten (falls vom Kreditgeber verlangt). Beide Vertragspartner sollten den Vertrag anschließend mit Ortsangabe und Datum unterschreiben.

Eine Barauszahlung an den Kreditnehmer sollte sich der Kreditgeber quittieren lassen. Wird der Kredit überwiesen, ist beim Betreff der Vermerk „Darlehen“ angebracht. Ab welchem Leihbetrag ein schriftlicher Vertrag aufgesetzt werden soll, müssen die Kreditpartner selbst entscheiden.

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Verbraucherschutzorganisationen empfehlen, bei Darlehen auf die Zinsvereinbarung zu achten. Wer Zinsen verlangt, muss diese prinzipiell in der Anlage KAP der Steuererklärung angeben. Dies hängt jedoch von der Größenordnung und vom Darlehensziel ab. Steuerlich nicht ins Gewicht fallen Darlehen ohne Absicht der Einkommenserzielung und wenn die Zinslast innerhalb von zehn Jahren über dem persönlichen steuerlichen Freibetrag von 20.000 Euro liegt. Wird das Darlehen jedoch nicht verzinst oder lediglich mit einem Zinssatz zwischen ein bis drei Prozent gewährt, können die Finanzbehörden dies als Schenkung begreifen und Schenkungssteuer aufrufen. Dann könnten sowohl der Beschenker als auch der Beschenkte zur Kasse gebeten werden.

Steuerliche Freibeträge hängen vom Verwandtschaftsverhältnis ab

Bei Schenkungen und Darlehen über 20.000 Euro sind gleich mehrere Komponenten zu beachten. Die Freibeträge – die übrigens alle zehn Jahre steuerlich in voller Höhe genutzt werden können –, ändern sich mit dem Verwandtschaftsverhältnis von Darlehensgeber und Darlehensnehmer. Die persönlichen Freibeträge für Schenkungen, Darlehen und Erbfälle an Ehepartner, Kinder und Enkel liegen jedoch allesamt zwischen 200.000 und 500.000 Euro. Bei Geschwistern und Schwagern liegt der steuerliche Freibetrag aber nur bei 20.000 Euro.

Für Kreditnehmer gilt: Als Selbständige können sie Kreditzinsen steuerlich geltend machen, wenn sie den Kredit für berufliche Investitionen aufgenommen haben. Dazu zählen zum Beispiel die Anschaffung eines Computers, die Büroeinrichtung oder der Kauf eines Fahrzeugs, wenn dies überwiegend beruflich genutzt wird.