Abiturient unzufrieden mit einem Abschluss von 1,6

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Abiturnote von 1,6 bietet Grund zur Klage
Die Grundschulnoten entscheiden mit, auf welche Schule die Kinder können beziehungsweise dürfen. Wenn es dann auf ein Gymnasium geschafft wurde, gilt es das Probehalbjahr zu überstehen. Die Abschlusszeugnisnoten entscheiden dann natürlich auch über den weiteren, beruflichen Werdegang.

Aber der Leistungsdruck beginnt ja eigentlich bereits im Kindergartenalter. Es reicht nicht mehr nur zu spielen, nein, es muss möglichst stark kreativ gespielt werden. Gern dürfen auch schon englische Wörter, die kurz zuvor in der Englisch-Stunde gelernt wurden, spielerisch eingebaut werden. Mit zarten fünf Jahren werden die Kleinen dann eingeschult. Von nun an gilt es, möglichst viele Fähigkeiten zu erlernen.

Die Rede ist hier nicht nur von rechnen, schreiben, lesen. Natürlich müssen Kinder auch Sozialkompetenzen erlernen. Wünschenswert sind natürlich auch Erfahrungen, die die Kinder außerhalb der Schulzeit erwerben. Und so kann so manche Mutter etwa Folgendes berichten: „Montags um 17 Uhr geht’s zum Karate-Training, dienstags wird die Musikalität gefördert und so findet um 17:30 der Geigen-Unterricht statt. Mittwochs möchte unser Kleiner unbedingt zum Mandarin-Unterricht gehen. Donnerstags findet die Kinder-Yoga-Klasse statt, das ist ein wunderbarer Ausgleich zum Alltag. Der Freitag wird dann noch mal zum Pauken genutzt und so gehen wir von 15 bis 17 Uhr zur Nachhilfe!“. Vielleicht mag dies jetzt etwas überspitzt formuliert sein, aber muten wir unseren Kindern im Allgemeinen teilweise nicht ganz schön viel zu?

Es scheint auf der einen Seite wichtig zu sein, Kindern bereits frühzeitig zu erklären, warum es wichtig ist, möglichst viel in der Schule zu lernen und die Schulzeit natürlich auch mit möglichst guten Noten abzuschließen. Aber auf der anderen Seite sollten doch Kinder auch einfach nur Kinder sein dürfen. Kinder, die spielen, Freunde treffen, draußen toben, möglichst viel Spaß haben und vor allem eine sorgenfreie Kindheit verbringen.

Ob es dem Kläger des gleich beschriebenen Falles nun um seine Zukunft oder um das Prinzip ging, ist unbekannt. Auf jeden Fall schien er mit seiner Abiturnote von 1,6 nicht zufrieden zu sein. Denn gegen diese klagte er vor dem Verwaltungsgericht Trier nachdem ein Widerspruchsverfahren erfolglos blieb.

Der junge Mann war der Auffassung, dass der Berechnungsmodus seiner Note nicht rechtens sei. Denn er hatte keine freiwillige Facharbeit geschrieben. Obwohl er nur 43 Einzelleistungen erbracht hatte, wurde seine Gesamtpunktzahl durch 44 geteilt. Er argumentierte, dass sich die Nichterbringung einer freiwilligen Leistung für ihn rechnerisch schlechter auswirke. Doch die Richter folgten nicht der Argumentation des Abiturienten. Sie urteilten, dass die Note korrekt berechnet wurde. Immerhin sollte eine freiwillige Arbeit, die viele Stunden in Anspruch nehme, auch positiv sanktioniert werden. Eine Verletzung des Gleichheitsgebotes sei daher nicht erkennbar. Allerdings scheint die Klage des Abiturienten ohnehin merkwürdig, denn selbst wenn die vorherige Prüfungsordnung bei der Berechnung angewendet worden wäre, hätte er „nur“ einen Notendurchschnitt von 1,6 erzielt.

Verwaltungsgericht Trier, 4.8.2014 (AZ: 6 K 883/14.TR)