Dürfen Fehlzeiten ins Zeugnis?

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Das Arbeitszeugnis muss wohlwollend formuliert, aber auch inhaltlich wahr sein.
In einem Rechtsstreit um das Arbeitszeugnis einer Teilzeitmitarbeiterin, musste das Arbeitsgericht Köln sich mit der Frage beschäftigen, ob Ausfallzeiten zum Inhalt des Arbeitszeugnisses gemacht werden dürfen. Die Richter stellten klar, dass im Einzelfall genau geprüft werden muss, ob es durch Erwähnung der Fehlzeiten nicht zu einer unangemessener Benachteiligung des Arbeitnehmers kommt. Denn dann kann die Nennung der Fehlzeiten verboten werden.
In dem verhandelten Fall hatte die Mitarbeiterin gute bis sehr gute Beurteilungen ihrer Leistungen bekommen. Dennoch hatte der Arbeitgeber die Zeiten des Mutterschutzes und der Elternzeit gleich im zweiten Absatz genau aufgeführt.

Bereits die Tatsache, dass die Fehlzeiten an so prominenter Stelle präsentiert wurden, führte die Richter zu dem Schluss, dass der Leser einen negativen Eindruck von der Arbeitnehmerin erhalten könnte. Auch das Verhältnis von Dauer der Fehlzeit und Dauer des Arbeitsverhältnisses kann dazu führen, dass ein Arbeitnehmer bei der Arbeitssuche durch Erwähnung der Ausfallzeiten benachteiligt wird. Im Ergebnis kam das Arbeitsgericht Köln zu dem Schluss, dass die von der Klägerin beanstandeten Passagen zu Elternzeit und Mutterschutz zu streichen waren (Az. 6 Ca 8751/12). Das bedeutet, dass Arbeitgeber bei der Erwähnung von Ausfallzeiten grundsätzlich vorsichtig sein sollten und die Umstände genau prüfen müssen.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat schon vor einiger Zeit entschieden, dass eine Nennung von Ausfallzeiten erlaubt sein kann, wenn der Einzelfall dies erfordert. In dem Fall ging es ebenfalls um Elternzeit, die deshalb erwähnt werden durfte, weil sie nach Lage und Dauer erheblich war (Az. 9 AZR 261/04). Der klagende Arbeitnehmer war drei Jahre lang in der Elternzeit gewesen, wobei das Arbeitsverhältnis selbst nur vier Jahre angedauert hatte. Hätte man die Elternzeit nicht genannt, wäre bei einem Leser der falsche Eindruck erweckt worden, dass die Arbeitsleistung vier Jahre lang so erbracht worden wäre. Bei Weglassung einer so entscheidenden Tatsache konnte, nach Auffassung des BAG, der Arbeitgeber und Aussteller des Arbeitszeugnisses seiner Wahrheitspflicht nicht mehr gerecht werden.

Das Arbeitszeugnis ist eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Personalauswahl künftiger Arbeitgeber und muss somit zwar wohlwollend formuliert, aber auch inhaltlich wahr sein. Denn die tatsächlich gesammelte Berufserfahrung ist in der Regel ein wichtiger Faktor der Einstellungsvoraussetzungen. Bei einem derartigen Missverhältnis von tatsächlich ausgeübter Arbeit und Dauer des Arbeitsverhältnisses kann ein objektives Bild über den Verlauf des Arbeitsverhältnisses nicht mehr vermittelt werden, so die Richter.