Schwere Verletzungen am Auge durch Softair-Pistolen: Mutter muss zahlen

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Softair-Pistolen sind kein Kinderspielzeug

Kinder können ohne Kontrolle schnell außer Rand und Band geraten. Natürlich darf man sie auch nicht permanent überwachen, aber eine gewisse Aufsicht ist je nach Alter erforderlich. Wenn eine Mutter eines Jungen aus der Gemeinde Friedeburg dies besser umgesetzt hätte, hätte eine schwere Augenverletzung eines Spielgefährten ihres Sohnes verhindert werden können.

Auf einem Parkplatz in der Nähe von Wilhelmshaven spielten vor etwa genau vier Jahren vier Kinder im Alter zwischen 10 und 13 Jahren. Zunächst klingt das nicht außergewöhnlich. Doch ist es auch normal, dass sie mit Softair-Pistolen spielten? Vielleicht nicht, doch es ist legal. Zwei von den Heranwachsenden trugen bei dem Spiel Schutzbrillen, die beiden anderen jedoch nicht. Dann passierte es: Ein abgegebener Schuss traf eines der Kinder ohne Schutz vor den Augen am linken Auge.

Die Verletzungen des Vorfalls waren schwerwiegend. Als Folge diagnostizierte ein Sachverständiger, dass das Auge lichtempfindlicher geworden sei. Dies könne zu chronischen Bindehautrötungen im Alter führen. Auch die Gefahr einer in 10 bis 20 Jahren eintretenden vorzeitigen Linsentrübung bestehe, die eine graue Star-Operation zur Folge haben könne, so der Sachverständige weiter. Durch diese Einschränkungen könne auch die Eignung für bestimmte Berufe, beispielsweise in der Seefahrt oder im Flugverkehr, beeinträchtigt sein. Ein klarer Fall für die Inanspruchnahme der Haftpflichtversicherung, denken jetzt viele.

Und so erklärte der Haftpflichtversicherer der Mutter des Schützen, dass er den Schaden zu 25% übernehmen wolle. Die Zivilkammer des Landgerichts und das Oberlandesgericht nahmen hingegen eine 100%-ige Haftung der Mutter an. Das Oberlandesgericht erklärte, dass die alleinerziehende Mutter des Jungen, der den Schuss abgegeben hatte, ihre Aufsichtspflicht verletzt habe. Die Mutter hätte sich umso mehr bemühen müssen, da es sich bei den Softair-Pistolen schließlich um Gegenstände mit erhöhtem Gefahrenpotenzial handele. Hinzu komme, so die Richter, dass sich aus einer Spielsituation mit solchen Waffen schnell eine „jagdähnliche“, gefährliche, unüberlegte und ungesteuerte Situation ergeben könne. Die Mutter ist aus Sicht der Richter einer umfassenden Aufsichtspflicht nicht nachgekommen. Auch wenn die Mutter ihren Sohn angeblich noch einmal ermahnt habe, die Softair-Pistole nur mit Augenschutz zu benutzen, was sich auch auf andere Spielteilnehmer beziehe, ließ sie ihren Filius doch weitgehend unkontrolliert mit der Pistole umgehen.
Ein Mitverschulden des verletzten Kindes nahmen die Richter nicht an. Das verletzte Kind habe zwar gewusst, dass eine Softair-Pistole gefährlich sein kann, doch die Aufsichtspflichtverletzung der Mutter des schiessenden Jungen sei schwerwiegender, so dass sich das Verhalten des geschädigten Kindes nicht weiter auf das Urteil auswirke.
Aus diesen Gründen bestätigte das Oberlandesgericht das Urteil des Landesgerichts Aurich. Die Mutter hat 5000 Euro zu zahlen. Darüber hinaus muss sie auch für künftig auftretende Schäden aufkommen.

Oberlandesgericht Oldenburg, 17.7.2014 (AZ. 1 U 3/14)