So werden Sie Ihren Nesthocker los

Nesthocker Auszug Hotel Mama
So gelingt der Check-out aus dem Hotel Mama

Spätestens seit Loriots Ödipussi ist er eine feste Größe im Sozialspektrum der Bundesrepublik: der Nesthocker. Doch waren es früher nur ein paar Jugendliche, die angesichts hoher Mieten und niedriger Monatseinkommen den Absprung in die eigenen vier Wände scheuten, ist es heute eine ganze Generation, die sich im Hotel Mama einquartiert hat. Die so genannten Silber-Söhne und Töchter leben ganz ungeniert in der Zwangs-WG mit den eigenen Eltern – und haben dabei graue Haare bekommen.

Früher konnte es den Turnschuh-Rebellen nicht schnell genug gehen, das spießige Elternhaus zu verlassen. Heute lassen sie sich die Hausschuhe an die Fernseh-Couch bringen und schauen mit den Alten gemeinsam „Wetten, dass …“. Der Nesthocker ist zum Lebensmodell geworden und nicht selten übernimmt er nicht nur den elterlichen Mietvertrag, sondern auch noch ein paar andere Macken und Marotten.

Denn was ökonomisch sinnvoll erscheinen mag, ist entwicklungspsychologisch eine Katastrophe. Nur wer sich abnabelt, kann auch erwachsen werden. Der Trend zum „Familien-Schlaffi“, der immer noch in Symbiose mit den Kuscheltieren von Steiff im Kinderzimmer von Kraft wohnt, hat zu einer Infantilisierung der Gesellschaft geführt. Wichtige Entscheidungen und Lebensperspektiven werden bewusst heraus geschoben – im Zweifel auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. Doch verantwortungsbewusste Mütter und Väter sollten ihre Lenor-Gewissen in die Tonne treten und die faule Brut vor die Tür. Schon aus Selbstschutz.

Hier ein paar Tipps, wie Sie ihren Sprössling loswerden:

1. Hören Sie auf, Ihren Kindern das Essen zu machen, Ihre Kleider zu waschen und das Hemd oder die Bluse zu bügeln. Das Geld, das sie dafür einsparen, nutzen sie für den eigenen Urlaub (ohne Kinder) oder für den privaten Restaurantbesuch. Wenn Ihre Söhne und Töchter Sie um Geld anbetteln, geben Sie ihnen ein Privatdarlehen – mit banküblichen Zinsen und einer kurzen Laufzeit. Werden Fristen versäumt, lassen Sie sich sofort ein Schuldanerkenntnis unterschreiben. Das kuriert so manchen Nesthocker.

2. Mieten oder kaufen Sie eine zusätzliche Wohnung neben der eigenen, die nicht zu teuer sein sollte. Wenn Ihr missratenes Fleisch und Blut sich gerade mal wieder im Robinson Club auf Mallorca mit anderen Nesthockern herumtreibt, bestellen Sie den Möbelwagen und tauschen zu Hause das Schloss aus. Das gibt eine prächtige Überraschung. Alles weitere regelt ein Mietvertrag und Übergabeprotokol.

3. Sorgen Sie endlich dafür, dass Ihr Kind einen Partner bekommt, der dann später alles das machen darf, was Sie bisher gemacht haben. Das wird sicherlich nicht einfach. Der Fairness halber sollten Sie den oder die Anwärterin frühzeitig aufklären und zum Abschluss eines Ehevertrags raten – mit der klaren Regelung häuslicher Rechte und Pflichten.